Das Leben des Helden Nooruddin Mahmud Zenghi
„Noch werde ich unter dem Schatten eines Baumes sein, oder mich hinter einer Barriere verstecken, eher ich mich nicht für das gerächt habe, das sie uns antaten. Auch wenn ihr mir eintausend Helden schickt, nichts wird mir im Weg stehen.“ Nooruddin Mahmud Zenghi
Das Erwähnen der Kreuzzüge erweckt einen Namen in der Islamischen Geschichte – Sallahudeen Ayyubi – Der Befreier Jerusalems. Jedoch wurden die Fundamente für die großen Eroberungen von Salahuddin durch einen weniger bekannten Helden gelegt: sein Ratgeber und Kommandant, Sultan Nooruddin Mahmud ibn Zenghi (RH). Geboren mit türkischen Wurzeln in Damaskus im Jahre 511nach der Hijra (1117 u.Z.) und aus einer Dynastie, die die erste war, die die Kreuzritter vertrieb.
Nooruddin setzte sich in seiner 28 jährigen Regierungszeit zwei Ziele:
Die Islamische Ummah zusammenzubringen und ihre besetzten Gebiete aus den Fängen der Kreuzfahrer zu befreien.
Familiärer Hintergrund
Um die Erziehung Nooruddin’s zu schätzen, ist es notwendig seinen Vater kennen zu lernen. Im’aduddin Zenghi war ein einfacher, normaler Mann, der für sein militärisches Genie berühmt war. Es war zuerst sein Vater, der die edle Absicht hatte, die Europäer aus den Ländern der Muslime zu vertreiben und Al-Quds zu befreien. Im Jahre 521 nach der Hijra (1127 u. Z.) stieg Zenghi zum Führer von al-Mosul (das heutige Syrien) und al-Halab (heutige Iraq) auf. Im Jahre 1144 griff er mit seiner gesammelten Armee die Kreuzritter in Ar-Ruha (Edessa) an. Zum ersten Mal in 45 Jahren wurde eine von den Kreuzfahrern besetzte Stadt von den Muslimen befreit. Dieser kleine aber doch bedeutende Schritt sandte eine Art der Schockwelle durch ganz Europa und die Moral der Muslime wurde gestärkt. Nach diesem großen Erfolg jedoch, wurde Zenghi von seinen eigenen Sklaven, die zu den Heuchlern gehörten, getötet.
Die Übernahme der Führerschaft
Nooruddin war erst 29 Jahre alt, als sein Vater getötet wurde. Sein Vater stellte arabisch sprechende Gelehrte, dessen Gesellschaft er bevorzugte ein um seinen Sohn zu erziehen. Später wurden diese dann bezahlt um die Massen zu unterrichten. Zenghi war bekannt für seine starke Liebe zu der Sunnah des Propheten (Friede und Segen seien auf ihn).
Zusammen mit der Führerschaft von Halab erbte Nooruddin auch viele natürliche Führungssachkenntnisse seines Vaters und benutzte seinen standhaften Ehrgeiz dazu Palästina zu befreien. Als Nooruddin sich seiner neuen Verantwortung stellte, befand die Ummah sich gerade in einem bedrohlichen Staat. Ein potenzieller Angriff bildete sich aus zwei Fronten. Auf einer Seite ein physischer von den Kreuzrittern und auf der anderen Seite ein ideologischer von den Schiiten. Schnell ergriff Nooruddin die Initiative und startete einen Angriff auf beide Feinde. Er kämpfte gegen die Kreuzritter fortlaufende 28 Jahre und vertrieb sie aus fast jeder Stadt in Palästina, ausgenommen Jerusalem.
Seine islamische Persönlichkeit
Nooruddin Mahmoud strenge sich sehr im Gottesdienst an. Er wurde immer betend und Allah gedenkend gesehen. Nie verpasste er das Nachtgebet und fastete ständig. Berühmt wurde er durch sein Gottvertrauen.
Einmal wurde er darauf angesprochen, dass er das Geld verringere, das den Witwen, Waisen und Gelehrten zusteht um die abnehmende Versorgung der unterfinanzierten Armee zu subventionieren.
Nooruddin war außer sich, nach diesem Vorwurf und er sagte seinen Männern:
„Bei Allah, meine einzige Hoffnung auf den Sieg liegt in diesen Leuten. Ihr wirklicher Lebensunterhalt und Ihre Siege sind nur wegen des schwachen unter ihnen möglich. Wie kann ich meine Unterstützung den Leuten mit Pfeilen die nie ihre Zeichen verpassen (gemeint sind die Gebete),stoppen und stattdessen denjenigen zuteil kommen lassen, die erst für mich kämpfen, wenn sie mich sehen und deren Pfeile mal treffen und mal nicht?“
[Ibn al-Athir; At-tarikh al-bahir fi’l dawla al-atabakiyyah]
Im Gegensatz zu gewöhnlichen Herrschern kleidete sich Nooruddin mit einfachen, groben und günstigen Materialien. Er besaß drei Geschäfte, die ein einfaches Monatseinkommen von 20 Dinar erwirtschafteten.
Seine Frau bat ihn einmal, ihren Haushalt finanziell zu unterstützen, da er schrecklich bedürftig war. Nooruddin sagte ihr bescheiden:
„Ich habe nichts mehr. Mit dem ganzen Geld befehle ich nur. Ich bin nur der Schatzmeister der Muslime und ich habe nicht die Absicht sie oder mich auf dein Konto in das Feuer der Hölle zu schicken.“
Es ist ein kleines Wunder, das der große Historiker ibn Al-Athir folgendes über Nooruddin Mahmoud Zenghi schrieb:
„Nach dem richtig geführten Kalifat von Umar ibn Abdul Aziz, habe ich keinen aufrichtigeren und strengeren Verfechter der Justiz gesehen…. Sein Charakter stärkte von Bescheidenheit, Gottesfurcht und Wissen in der Religion.“
[al-Kamil fi at-tarikh (die gesamte Geschichte)]
Gesegnete Träume
Das Sehen des Propheten (Friede und Segen seinen auf ihn) im Traum ist ein Segen für einen Gläubigen. Nooruddin hatte einen immer wiederkehrenden Traum, indem der Prophet ihn bat, dass er ihn von zwei bellenden Hunden rettet. Nooruddin lud darauf Gelehrte ein, die ihm den Traum deuten sollten und es wurde ihm gesagt, dass die Antwort auf den Traum nur in der Stadt des Propheten (Medina) gefunden werden würde. Nooruddin nahm einige seiner Soldaten und reiste nach Medina. Dort entdeckten seine Geheimdienste, dass zwei jüdische Männer sich für Muslime ausgaben und sich vorbereiteten, den Körper des Gesandten Allahs (Friede und Segen seinen auf ihn) auszugraben und ihn nach Spanien zu bringen. Ein Tunnel, der von ihnen gegraben worden war, wurde entdeckt. Nooruddin befahl, dass diese Männer davor hingerichtet werden sollen und er sperrte das Gebiet um des Grabes mit Blei ab, um sicherzustellen, dass so eine abscheuliche Tat nie wieder beabsichtigt werden würde. Ebenfalls sah einer von Nooruddin’s Soldaten den Propheten (Friede und Segen seien auf ihn) im Traum und der Prophet (Friede und Segen seien auf ihn) versicherte ihnen, dass sie in der Dämmerung siegreich sein würden. Eines der Bemerkenswertesten Aspekte in diesem Traum war, dass der Soldat Nooruddin im Traum sah, wie er Allah um den Sieg bat. (du’a) Es wird überliefert, dass Nooruddin Mahmoud die exakt gleiche du’a machte, wie im Traum.
Kühner Führer
Nooruddin war ein legendärer Kommandant, der das Lob von Muslimen und Historikern ebenso verdient hat. Seine Tapferkeit schlug in die Herzen der Kreuzfahrer und demoralisierte ihre Reihen, während er die Reihen der Muslime mit Moral aufpumpte. Er war auch für seine außergewöhnliche Geschwindigkeit mit dem Pferd berühmt. Es wurde gesagt, dass er schneller sei als ein Schwert das ihm entgegenkommt. Seine Männer baten ihn nicht an ihrer Seite zu kämpfen, aus Angst sie würden verlieren, wenn er sterben würde. Nooruddin sagte bescheiden:
„Wer ist schon Mahmoud? Allah verhalf dem Islam schon vor ihm zum Sieg und er wird ihn auch ohne ihn wieder zum Sieg führen. Wer ist dieser Hund Mahmoud schon, dass man nicht auch ohne ihn den Sieg verdient?“
Nooruddin führte beispielhaft immer an der Front. Eines Tages wurde er dreimal von den Kreuzrittern zurückgedrängt, als er eine Festung erobern wollte. Einige seiner Männer meinten, dass sie lieber hinter einer Schutzvorrichtung kämpfen sollten um unverletzt gegen die Feinde aggieren zu können. Doch Nooruddin stritt das vehement ab und gab ihnen zu Antwort:
„Noch werde ich unter dem Schatten eines Baumes sein, oder mich hinter einer Barriere verstecken, eher ich mich nicht für das gerächt habe, das sie uns antaten. Auch wenn ihr mir eintausend Helden schickt, nichts wird mir im Weg stehen.“
Seine Tapferkeit steigerte die Moral der Muslime und die Festung der Feinde wurde überwältigt.
Dynamischer Staatsmann
Zu einer von Nooruddin’s Stärken gehörte sein Scharfsinn im Gebrauch der Kriegspropaganda. Er schrieb Briefe an die arabischen Herrscher und drängte sie dazu sich mit ihm zu verbünden und gemeinsam gegen den kommenden Feind, die Kreuzfahrer zu kämpfen. Ähnlich wie zu der heutigen elenden Lage, hatte die Mehrheit der Herrscher keine Bedenken dazu gehabt die Kreuzfahrer mit ihren Basen in ihre Gebiete zu lassen, um die Muslime zu attackieren. Wenn ein Herrscher sich weigerte sich Nooruddin anzuschließen, wurde er sofort in einer Freitagspredigt verurteilt. Schließlich stoppten die Herrscher die Unterstützung der Kreuzfahrer und schlossen sich Nooruddin an. Ihre Sorge war es aber nicht die Ummah zu vereinen und die Feinde zu bekämpfen, sondern sicherzustellen, dass sich ihre Leute nicht gegen sie erheben.
Die Eroberung von Damaskus
Im Jahre 1148 erzürnte die Christliche Streitmacht durch ihre Niederlage, die sie gegen den „heidnischen (kein Christ) Saracen“ erfuhr und bereitete sich für den zweiten Kreuzzug vor. Um das schon in ihren Händen gesehene Jerusalem zu erobern, schlossen sie die absurde Entscheidung, trotz dem Abkommen, den sie mit dessen Wazir (Regierungschef) Mu’in ad-Din hatten, Damaskus anzugreifen. Mu’in ad-Din hatte sich mit den Kreuzfahrern verbunden als Nooruddin’s Vater versucht hatte Damaskus anzugreifen. Nooruddin hat den Verrat von Wazir nicht vergessen, doch zugunsten der Muslime bildete er mit ihm eine gemeinsame Front gegen die Kreuzfahrer und schloss daraufhin einen Vertrag mit ihm im Jahre 1147 ab.
Die Kreuzfahrer bereiteten sich vor, seine Stadt anzugreifen und sobald Mu’in-ad-Din diese unglaubliche Nachricht erreichte, begriff er, dass seine einzige Chance in der Erlösung in dem Beistand mit Nooruddin lag. Aus diesem Bündnis ging hervor, dass die Kreuzfahrer sich auf einen Angriff aus zwei Fronten vorbereiten müssten. Die Armee von Nooruddin auf der einen Seite und die Bewohner der Stadt auf der anderen. Infolgedessen wurden sie zu einem schnellen Rückzug aus Damaskus gezwungen. Nach nur 4 Tagen war der zweite Kreuzzug beendet.
Nach dem Fall des zweiten Kreuzzuges annullierte der launenhafte Wazir das Abkommen mit Nooruddin und erneuerte seine Loyalität zu den Kreuzfahrern. Als der Wazir 1149 starb, folgte sein Nachfolger Mujir-ad-Din derselben Politischen Taktik. Nooruddin belagerte die Stadt zweimal im Jahre 1150 und 1151, aber wurde jedes Mal gezwungen, sich ohne Erfolg zurückzuziehen. Beschlossen, keine Gewalt anzuwenden, wurde die Stadt mit Briefen überschüttet, in denen die Muslime, die aus Jerusalem vertrieben worden sind und sich in Damaskus niederließen, aufgefordert worden waren, den Kampf aufzunehmen, um ihren Besitz wieder zurück zu gewinnen. Nach drei Jahren gewann jedoch die Taktik von Nooruddin schließlich die Herzen und Gemüter der Bürger Damaskus, als die Liebe zwischen ihnen und ihren Herrschern verloren gegangen war, welche vorher die Franken um Schutz gegen den Zenghi Ältesten gebeten hatten.
Die Verteidigung Damaskus gab Nooruddin die Gelegenheit, in die Stadt friedlich einzugehen und es unter seiner Kontrolle zu bringen. Die Einwohner der Stadt (von denen viele in einer schrecklichen Armut lebten) öffnete die Tore für Nooruddin. Er wurde von ihnen geehrt und zum Führer ernannt, wobei Mujir-ad-Din verworfen wurde. Nooruddin machte Damaskus zur Hauptstadt und regierte in ihr 20 Jahre, bis er im Jahre 567 nach der Hijra (1174 u. Z.) verstarb.
Eroberung Ägyptens
Die Kreuzfahrer lenkten ihre Aufmerksamkeit auf Ägypten, da sie zu schwach für Syrien waren. Nooruddin interessierte sich auch für die Eroberung Ägyptens, seitdem seine Armee ein schreckliches Bedürfnis nach Geldern hatte. Ägypten besaß ein großes Einkommen aufgrund ihres Handels und ihrem Fortschritt in der Landwirtschaft, Medizin und Wissenschaft. Durch die ketzerische ismailitisch/Schiitische Regierung, war es für Nooruddin als Sunnite sehr problematisch. Nooruddin erkannte, dass die abweichende Lehre der ägyptischen Fatimiden Dynastie, genau so ein Bedrohung ist, wie der, der Kreuzfahrer. Die Fatimiden brachten viele Erneuerung in den Deen der Muslime und schlachteten die Gelehrten der ahlus sunnah wal jamaa.
Der Wazir der Fatimiden, Shawah, hatte sich mit den Kreuzfahrern verbunden und als diese Ägypten angriffen, flehte der sunnitische Kalif Nooruddin um Hilfe an. Nooruddin befahl seinem kurdischen General Asad-ud-Din Shirkuh Alexandria zu verteidigen. Shirkuh nahm seinen jungen Neffen Salahuddin mit und nach drei Monaten wurden die Kreuzfahrer gezwungen sich zurückzuziehen, und der tückische Wazir wurde verbannt.
Im Jahre 1168 griffen die Kreuzfahrer wieder Ägypten an. Der verbannte Wazir sandte Nooruddin einen Vorschlag zu, dass, wenn er ihn als Wazir wieder einsetzen ließ, er ihm ein Drittel von Ägyptens Einnahmen abgeben würde. Nooruddin entsandte Shirkuh wieder nach Ägypten. Als die Armee von Nooruddin in Ägypten ankam, fanden sie, dass die Leute ihre Rückkehr begrüßten. Shawah wurde wieder eingesetzt, aber er weigerte sich schnell, seine Befreier zu bezahlen, worauf Shirkuh den Verräter exekutierte. Shirkuh ernannte man zum Wazir, aber starb kurz darauf und Salahuddin wurde sein Nachfolger. Salahuddin wollte Nooruddin Geschenke schicken und bat um ihre Du’a für ihn.
Im Jahre 1167-1168 befahl Nooruddin seinen Zimmermännern, eine prächtige Mimbar zu bauen. Er ahnte, dass die Muslime eines Tages die Freitagspredigt von ihr, in der Masjid al-Aqsa geben werden. Es war schon immer ein Wunsch von ihm, den er nie ausleben konnte.
Das Vermächtnis von Nooruddin
Kurz nach der Eroberung Ägyptens starb Nooruddin im Jahre 1174 an Lungenkrebs. Er hatte die Kreuzfahrer 28 Jahre lang konsequent bekämpft. Vor ihm waren die Muslime schwach und gespalten und scheiterten daran eine vereinte Kraft vorzuzeigen.
Er hatte im Jahre seines Todes (58 Jahre alt) den größten Teil der arabischen Welt unter seiner Befehlsgewalt. In beiden Angelegenheiten war er ein erfolgreicher Führer, sei es innerhalb des Landes oder außerhalb. Er war für das Bauen von zahlreichem Masajids, öffentlichen Bädern und Krankenhäusern verantwortlich, von denen heute noch einige im Gebrauch sind. Das wichtigste Krankenhaus, das im Mittelalter in Damaskus gebaut worden war, wurde ihm zu ehren benannt. (Al-Nuri Krankenhaus) Man kümmerte sich fürsorglich um die Armen, insbesondere um die Witwen und Waisen.
Obwohl er seinen Lebenstraum, Jerusalem zu befreien, nicht verwirklichte, ebnete er den Weg für Salahuddin. Und Jerusalem wurde schließlich durch ihn (Salahuddin) 1187 erobert. Die Mimbar, die Nooruddin fast 20 Jahre im Voraus gebaut gehabt hatte, wurde zur Masjid al-Aqsa gebracht und die erste Freitagspredigt fand auf ihr statt.
Einer der größten Lehren, die wir aus dem Leben von Nooruddin Mahmud Zenghi entziehen können, ist, dass eine Person die Früchte ihrer Anstrengungen während ihrer eigenen Lebenszeit nicht sehen kann, aber sie wird immer für ihren Beitrag belohnt. Außerdem muss man begreifen, dass Erfolg und Misserfolg nur von Allah SWT entschieden wird und sollte nicht an dem gemessen werden, was wir in unseren kurzen Leben sehen.